Heute habe ich meinen letzten Arbeitstag bei Swisscom (vorzeitige Pensionierung) und dies ist mein letzter Blogbeitrag.
Seit mehr als 10 Jahren bin ich für das Umweltmanagement Swisscom tätig. Anfangs hatten meine Kollegen und ich noch Befürchtungen bzw. Hoffnungen, dass uns die Arbeit nach zwei, drei Jahren ausgehen würde. Doch das ist trotz unserer Umwelterfolge in verschiedenen Bereichen nicht eingetreten. Ständig kamen neue Arbeitsfelder (neue Produkte und Services, neue Netztechnologien usw.) dazu, die aus Umweltsicht noch verbesserungsfähig waren. Inzwischen weiss ich, dass es sehr viel braucht, um ein ökologisch vorbildliches Unternehmen zu werden.
Als Umweltmanager von Swisscom habe ich mich hie und da auch gefragt, was die Unternehmen überhaupt zu einer ökologisch verträglichen Lebensweise beitragen können. Insgesamt vermutlich ziemlich viel, aber es braucht noch mehr. Vor allem verantwortungsvolle Konsumenten und die richtigen politischen Rahmenbedingungen. Und es braucht den Mut, die Probleme an der Wurzel anzupacken, statt nur Symptome zu bekämpfen. So verwundert es mich immer wieder, dass Politiker und Meinungsmacher den Zusammenhang zwischen der globalen Bevölkerungsentwicklung und der Umweltbelastung völlig ausser Acht lassen. Selbst biologisch versierte Organisationen - die es eigentlich wissen sollten - wie etwa der WWF, erfassen zwar die Umweltindikatoren sehr genau (Living Planet Report 2008), weisen aber nur am Rande auf die Bedeutung der Bevölkerungsentwicklung hin, obwohl diese ganz offensichtlich ist.
Lange hat's gedauert, aber nun ist es soweit: Ab sofort vertreibt Swisscom sechs schnurlose Festnetztelefone mit minimaler Sendeleistung: Dank Ecomode plus strahlen nur noch Sie.
Oder etwas technischer ausgedrückt: Mit Ecomode plus strahlen die Geräte im Ruhezustand gar nicht. Während eines Gesprächs wird die Sendeleistung und damit die Strahlung um bis zu 80% reduziert. Das energieeffiziente Netzgerät bewirkt dabei einen um 60% reduzierten Stromverbrauch. Swisscom lanciert die Geräte exklusiv auf dem Schweizer Markt. Mehr auf der Ecomode plus Seite.
Wenn Umweltmanager unter sich sind, dann fallen Begriffe wie klimaneutral, Minimimerung des ökologischen Fussabdrucks und CO2-Kompensation des öfteren – und kaum jemand hinterfragt, ob diese Konzepte auch wirklich der Weisheit letzter Schluss sind.
In Fokusgruppengesprächen mit Kunden wollten wir testen, ob denn eine klimaneutrale Swisscom auch für die Kunden verständlich ist. Dabei hat mich eine Antwort wirklich überrascht: Was klimneutral? Eine klimapositive Swisscom müsste doch das Ziel sein! Ich konnte diese Antwort damals nicht richtig einordnen, denn schliesslich geht es doch darum, den ökologischen Fussabdruck zu minimieren. Und zero bzw. eine ausgeglichene Bilanz ist das logische Ziel.
Regelkreise sind in der Natur, wie auch in der Technik, weit verbreitet. Sie halten dynamische Systeme aufrecht. Beispielsweise gibt es in der Oekologie die Räuber/Beute-Beziehung, die sich so einpendelt, dass ein biologisches Gleichgewicht zwischen den beiden Populationsdichten entsteht. In der Technik gibt es ebenfalls in vielen Bereichen Regelungssysteme. Auch im Handel nutzt man geregelte Systeme, so etwa für die Börsen - allerdings unter teilweiser Missachtung des Regelmechanismus.
Das Prinzip eines geregelten Systems ist einfach und überall dasselbe:
Es gibt einen momentanen Gleichgewichtszustand. Sobald eine Störgrösse auftaucht, resultiert früher oder später auch eine Rückstellkraft und mit der Zeit pendelt sich ein neuer Gleichgewichtszustand ein. Ein Regelsystem, das die Störgrössen noch verstärkt, statt ihnen entgegen zu wirken, kann hingegen nicht funktionieren. Es fällt von einem Extrem ins andere. Dieses Phänomen kann man an den Wertschriftenbörsen beobachten. Das ständige Auf und Ab der Kurse ist Ausdruck eines schlecht geregelten Systems. Offensichtlich gibt es zu viele gehandelte Produkte die auf Hochs und Tiefs setzen und damit das System destabilisieren, statt es sich einpendeln zu lassen. In der Technik wäre ein solches System unbrauchbar und in der Oekologie käme es zu einem Desaster.
Es wäre vielleicht von Vorteil, zwecks Sanierung des Börsenhandels auch einen Biologen oder einen Regelungstechniker beizuziehen.
Eine höhere Energieeffizienz wird allgemein als wirksamste Methode betrachtet, um den Energieverbrauch und damit die CO2-Emissionen zu senken. Die Entwicklung in der Vergangenheit zeigt jedoch, dass dies eine stark vereinfachte Sicht ist. Die Technik hat sich meistens in Richtung höhere Effizienz entwickelt. Nur selten führte das aber gesamtheitlich gesehen zu Energieeinsparungen.
Grund: Die Einsparungen wurden durch Mehrverbrauch oder Ersatzaktivitäten ganz oder teilweise zunichte gemacht. Man nennt dies Rebound-Effekt.
Beispiele:
Effizientere Automotoren > kompensiert durch schwerere und komfortablere Fahrzeuge
Sparsamere Heizungen > kompensiert durch grössere Wohnungen
Sparsamere Haushaltgeräte > kompensiert durch grössere Vielfalt und Dauberbetrieb (standby-Modus)
Telekomgeräte stehen diesbezüglich leider auch nicht besser da. Es gibt aber einen Bereich in der Telekommunikation wo ein besonders deutlicher Effizienzsprung stattgefunden hat und noch nicht abgeschlossen ist: Die Ablösung von Kupferleitern in der Datenübertragung durch die Glasfasertechnologie. Das ist ein technischer „Quantensprung“ wie er nur selten vorkommt. Wie stark sich der Rebound-Effekt hier letztlich auswirken wird, wird sich zeigen, wenn alle Haushalte direkt an das Glasfasernetz angeschlossen sind. Swisscom treibt dieses Projekt voran, denn ein sehr breitbandiger Digitalanschluss hätte zweifellos viele Vorteile.
Eben auf Netzticker erschienen:
Die Swisscom ist bei den Infovision Awards 2008 in der Kategorie „Go Green“ ausgezeichnet worden. Die Awards werden jährlich vom International Engineering Consortium (IEC) organisisert und sollen Innovationen in der ICT-Industrie honorieren. Den Preis erhielt die Swisscom für ihr Projekt „Mistral“. Dabei geht es um die energiesparende Regelung der Raumtemperatur in Telefonzentralen.